Besuchssituation im U.C.I. in Raiford, Florida - lifespark - movement against the death penalty

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Besuchssituation im U.C.I. in Raiford, Florida

being a pen pal

Die Brieffreundschaft zwischen Brett und mir begann im Oktober 2004.
Er war der erste Brieffreund, dem ich auf der "Death Row" in Florida schrieb.
Ich kam über die Homepage von "Alive" auf die Idee etwas Gutes zu tun indem ich einem Häftling mit Briefen den Tag verschönere.
Zu "Lifespark" kam ich, nachdem ich zum wiederholten Male Ines Aubert, die ihren Brieffreund Paul Hildwin besuchte, getroffen hatte und ich den Verein eine echt gute Sache fand.
Folgend die Besuchssituation in Raiford:
Nachdem der Antrag, um auf die Besucherliste des Brieffreundes zu kommen, vom "Classification Officer" genehmigt wurde, kann man diesen um einen "special pass" für einen extra Besuch bitten.
Das heisst, jemand, der eine Anreise von über 200 Meilen hat, darf den Häftling nicht nur an seinem regulären Besuchstag, sondern auch noch einen zweiten Tag besuchen. Diese Pässe werden aber in der Regel nur alle 60 Tage bewilligt.
Da ich von österreich anreise hatte ich bisher, wenn ich meinen Freund besuchte, immer solch Spezialpässe.
Wie man beim Warten auf den Einlass in das Gefängnis unschwer erkennen kann, verbreitet das viel Neid unter einigen Besucherinnen, welche in Amerika leben und ihre Freunde oder Ehemänner jedes Wochenende (für einen Tag) besuchen.
Schon allein das ist für mich unverständlich, da ich meinen Freund trotz Spezialpässen nur an ca. 12 Tagen im Jahr sehe, diese Damen jedoch an ca. 60 Tagen (inklusive Feiertagen) ihre Männer zu Gesicht bekommen.
Kein Grund für Neid und Eifersucht denke ich mir da, aber anscheinend ist Neid unter einigen dieser Frauen viel stärker ausgeprägt als unter europäischen Frauen, zumindest macht das auf mich so den Anschein wenn ich mich darüber mit anderen Europäerinnen unterhalte.

Es ist sehr unterschiedlich, um welche Uhrzeit man sich beim Gefängnis einfinden soll, denn wenn es ein stark besuchtes Wochenende (zu besonderen Anlässen oder mit Feiertagen) ist, kann es durchaus sein, dass man sich mitten in der Nacht trifft.
So kann es z.B. am Thanksgiving-Wochenende sein, dass man sich schon um 4 a.m.(oder früher) trifft und anstellt. An Wochenenden ohne Feiertag ist es so, dass man sich gar nicht an der Tankstelle (siehe nächsten Absatz) anstellen muss, weil da dann viel weniger Besucher sind, da reicht es wenn man sich um 7 a.m. oder auch erst um 8 a.m. beim Gefängnis einfindet.
Das Gefängnisareal darf erst um 7 a.m. betreten werden, da bildet sich dann eine Schlange mit Besuchern vor dem Haupteingang.
Es werden immer wieder neue Regeln aufgestellt, wenn es um das Besuchen geht.
Aber nicht nur vom Gefängnis, sondern auch von den Besucherinnen.
So ist es eine Regel unter den Besuchern, dass man sich an stark frequentierten Wochenenden bei einer Tankstelle, nahe dem Gefängnis trifft und sich dort mit seinem Auto in einer Reihe aufreiht.
Diese Reihenfolge muss eingehalten werden, will man sich nicht dem Unmut dieser Damen aussetzen. Kurz vor 7 a.m. setzt sich dieser Konvoi dann in Bewegung und es wird zum Gefängnis gefahren. Es wird beim Anstellen sehr darauf geachtet, dass die Reihenfolge von vorher eingehalten wird, da viele (oft grundlos) fürchten, keinen Tisch im Besucherpark zu ergattern.
Um sich davon ein Bild zu machen, ist es wichtig, dass man weiss, dass es im "Besucherpark" (der ja kein Park sondern einfach nur ein grosser Raum ist) der "Death Row" 24 Tische gibt- alle, die nach einem Besetzen dieser Tische kommen dürfen ihren Freund dann in einem "Non-contact-room", das heisst mit einer Glasscheibe dazwischen sehen. Also wenn man als 25. Besucher in das Gefängnis kommt bekommt man schon keinen Tisch mehr in diesem "Besucherpark"!
Natürlich will das niemand, und deswegen gibt es diese interne Regel mit dem Anstellen bei der Tankstelle. Wobei das Besucher, die das erste Mal kommen ja nicht wissen, weil sie darüber ja nicht informiert werden.
Also, ab 7 a.m. kann man sich dann beim Haupteingang des U.C.I. anstellen, und die Regel bei meinem letzten Besuch war die, dass die Besucher, nachdem ein Gefängniswächter/in quasi den Startschuss gab, in das Gebäude rein durften und dort wurde jedem ein Formular ausgehändigt, welches man gleich im Anschluss ausfüllen musste (Name und Unterschrift des Besuchers und Autokennzeichen) und der Dame hinter dem Schalter (hinter einem Glasfenster) reichen musste.
Diese Dame gab die Daten dann in den Computer ein und die Besucher mussten der Reihe nach ihren PIN-Code (eine kleine gelbe Karte mit einer 9-stelligen Nummer, welche einem beim ersten Besuch ausgestellt wird) in eine Maschine eingeben, bei der auch eine Handregistrierung erfolgt (wird auch beim ersten Mal registriert).
Man erhält dann einen Ausdruck, auf dem das Foto und die Daten des Inhaftierten sowie Foto (wird in der Regel auch beim ersten Besuch gemacht) und Daten des Besuchers zu sehen ist und muss durch eine Gittertür hindurch in einen zweiten Raum (eine Art Vorraum, dort befindet sich auch eine Toilette, welche man als Besucher benutzen darf) gehen.
Nach diesem "Vorraum" gibt es dann zwei Räume für das Durchsuchen der Besucher- einen "Men-search" und einen "Women-search". Je nach Geschlecht stellt man sich auch dort wieder in einer Reihe auf. Bis dorthin geht es meist recht rasch, das Warten beim "Search" ist dann unter Umständen recht lang, je nachdem wie genau die Angestellte/n das Durchsuchen nimmt/nehmen.
Es war bisher immer unterschiedlich bei meinen Besuchen in Raiford- manchmal war nur eine Angestellte beim "Search", manchmal waren zwei dort. Was aber nicht heissen soll, dass es schneller geht wenn zwei dort ihren Dienst versehen.
In der Regel wird zuerst das mitgebrachte Geld gezählt und aufgeschrieben ($50 sind erlaubt), ebenso der Autoschlüssel, dann die Schmuckstücke (welche Art von Schmuck und welches Material), sowie Sonnenbrillen oder Haarspangen, auch die Art und Farbe der Schuhe wird notiert.
Dann wird man abgetastet (mit dem Rücken und ausgestreckten Armen zum "Officer") und muss seine Schuhe ausziehen und seine Fusssohlen herzeigen, die Schuhe werden auch abgetastet.
Nicht immer, aber es kam auch schon vor, muss man seinen BH schütteln, um so zu zeigen, dass man nichts unter dem BH hat. Gelegentlich werden auch die Haare abgetastet (Haaransatz im Nacken) und es kann passieren, dass man seinen Slip herzeigen muss (oder einen Unterrock wenn man einen Rock anhat).
Aber wie gesagt, das alles ist sehr unterschiedlich und es kommt ganz darauf an wer dort seinen Dienst versieht.
Nach diesem Raum geht man durch ein weiteres Tor mit Gitterstäben und kommt auf dem Weg zum Durchgang zu einem Tisch an dem meist 3 Angestellte sitzen. Dort muss man seinen Reisepass (oder ID-Card) abgeben und bekommt dafür ein Schild, welches man an seiner Kleidung befestigen muss, und einen Stempel auf die rechte Hand, auch muss man dort durch einen Metalldetektor gehen.
Ein weiteres Tor wird einem geöffnet und man befindet sich für kurze Zeit im Freien, wo man zu einem überzäunten Freiluftgang kommt, bei dem man wieder durch ein Tor in diesen Gang hinein muss.
Dieser Gang führt einen dann zu einem Nebengebäude.
In diesem Gebäude befindet sich der Besucherraum ("Visitingpark") und auch die Zellen der "Death Row".
Am Ende dieses langen, umzäunten Ganges sieht man dann auch schon die Fenster welche zum Besucherraum gehören, man sieht dort aber nicht hinein, da es einseitig verspiegelte Fenster sind (man kann hinaus aber nicht hinein schauen).
Nun wieder hinein in das Gebäude und durch ein letztes Gittertor, dann noch durch eine Tür und man ist im Besucherraum.
Dort angekommen muss man den Computerausdruck, den man beim ersten Schalter bekommen hat dem "Officer" geben und der trägt die Daten in ein Buch ein und teilt einem einen Tisch zu. Gelegentlich kann man sich einen Tisch aussuchen, je nachdem wie sympathisch man diesem "Officer" ist.

Und dann heisst es warten.
Normalerweise werden die Häftlinge um 9 a.m. zum Besucherraum gebracht, in letzter Zeit kam es auch schon vor, dass jemand schon um 8:30 a.m. kam, was natürlich sehr nett ist, da der Besuch um 3 p.m. zu Ende ist. In Florida (im Gegensatz zu z.B. Texas) sind die Besuchszeiten für alle Gefangenen fix und die Besuche finden gleichzeitig statt.

In diesem Besucherraum kann man sich bei 2 "vending machines" (Automaten) Getränke oder Snacks kaufen, oder man geht zur "Kantine" (eher ein Fenster, wo Sachen gekauft werden können) und kauft sich dort etwas. Man wird dort sehr freundlich (von einem Gefangenen) bedient und hat eine recht grosse Auswahl an Snacks. Für tiefgefrorene Lebensmittel oder Popcorn und ähnliches stehen 2 Mikrowellen zur Verfügung.
Die Mitarbeiter in diesem Besucherraum sind sehr freundlich und auch bemüht, dass sich die Besucher wohl fühlen. Zumindest macht das meist den Anschein.
Man kann sich auch mit seinem Freund fotografieren lassen (1 Polaroid kostet $1, 5 Polaroids sind pro Besucher erlaubt), dazu muss man sich in der Kantine einen Bon kaufen, diesen vom "Officer" begutachten lassen und wird dann von einem Gefangenen, dessen Job es anscheinend ist hier Fotos zu machen, fotografiert.
Besucher-WCs können jederzeit benutzt werden, an besonders stark frequentierten Tagen werden die WCs jedoch versperrt und man muss einen "Officer" bitten diese zu öffnen.
Um ca. 11 a.m. gibt es eine "Count-time", bei der sich die Gefangenen in einer Reihe aufstellen müssen und von 2 "Officers" gezählt werden.
Man kann sich im Besucherraum frei bewegen, das heisst, man kann dort auch kleine "Spaziergänge" machen, man kann sich auch mit anderen Besuchern und Gefangenen unterhalten (obwohl das streng gesehen gegen die Regeln ist) und alles in allem ist dort eine sehr angenehme und entspannte Stimmung.
Es ist laut Besucherregeln erlaubt den Freund zur Begrüssung und zum Abschied zu umarmen und zu küssen.
Nun komme ich aber zum Ende, hoffe aber, dass ich Ihnen einen kleinen Einblick in die Welt der Besuche auf Florida's "Death Row" geben konnte und es mir vielleicht auch gelang Sie zu einem Besuch bei Ihrem "Pen-pal" zu motivieren!
Alles in allem kann ich einen Besuch im U.C.I. nur empfehlen, die ganze Besuchersituation ist nicht so schlimm, wie man sich das vorher ausmalt!

Katrin Heitzer
Juni 07

 
 
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